Maske weg war beste Lockerung für Gastronomie. Die Wirte im Bezirk Hollabrunn kontrollieren die 3G-Regel in ihren Lokalen, sind aber geteilter Meinung, was Impfpflicht für Personal betrifft.

Von Belinda Krottendorfer und Christiane Fürst. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:46)
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Petra Rammel, Miroslav Novak und Paula Safinova (v.l.) präsentieren das Highlight des vergangenen Grillabends, eine gefüllte Ente.
NOEN

Die Gastro ist endlich wieder belebt, es darf aufgekocht und gefeiert werden. Doch die Zahlen der Corona-Infektionen steigen wieder an. Darum kam es doch nicht zu den versprochenen Lockerungen, Gäste müssen sich zum Beispiel weiterhin registrieren, wenn sie sich in einem Lokal aufhalten, die 3G-Regeln müssen kontrolliert werden. Die NÖN fragte nach, wie der Sommer für die Wirte läuft.

Beim Gasthaus Rammel in Hollabrunn macht der Abhol- und Lieferservice immer noch einen großen Bestandteil der Arbeit aus. Durch diesen sei der Umsatz circa gleich hoch wie vor Corona; im Lokal ist somit aber weniger los. „Jetzt, wo die meisten Leute schon geimpft sind, kommen wieder mehr ins Lokal“, bemerkt Restaurant-Chefin Petra Rammel. Einige ihrer Kollegen klagen über Personalmangel, davon sei ihr Gasthaus nicht betroffen, da alle Mitarbeiter in Kurzarbeit waren. Derzeit habe Rammel auch mit dem Catering-Service viel zu tun: „Viele Leute wollen jetzt komprimiert Geburtstagsfeiern nachholen und haben Angst, dass es im Herbst mit den Corona-Lockerungen vorbei ist.“ Dass Vereine derzeit kaum Feste veranstalten, falle ihr bei der Gästefrequenz nicht auf.

„Wir sitzen alle im gleichen Boot, egal ob der Handel, die Gastronomie oder Montage-Betriebe.“ Gastronom Lukas Baier über eine Impfpflicht fürs Personal

Die Überprüfung der 3G-Regel sei meistens sehr einfach, da die Leute freiwillig ihren Nachweis herzeigen. „Es ist nur traurig, dass sich Gäste ab und zu beschweren, dass sie bei uns ein Kontaktdatenblatt ausfüllen müssen, bei anderen jedoch nicht. Es tut weh, dass nicht alle Gastronomen an einem Strang ziehen“, berichtet die Unternehmerin.

Die wichtigste Lockerung für Rammel war, dass Kellner keine Masken mehr tragen müssen. Sie habe nicht auf Lockerungen gehofft, sondern nur, dass keine schwerwiegenden Einschränkungen mehr kommen. Von einem Impfzwang, wie ihn Gastro-Obmann Mario Pulker fordert, hält die Unternehmerin nichts – egal für welche Branche: „In einer Demokratie kann man das nicht vorschreiben.“

Ihr Wirts-Kollege in Breitenwaida, Lukas Baier, sieht das anders. Der Gastronom kann die Forderung nach einer Impfpflicht für das Gastro-Personal nachvollziehen, weil es sich über kurz oder lang nicht verhindern lasse. Ohne Impfung könne es sein, dass man die Speisen nicht mehr liefern dürfe und so wichtigen Umsatz verliere. „Was wäre denn die Alternative? Dann müsste man sich jeden zweiten Tag testen lassen und wenn man das nicht macht, verliert man die Arbeit“, könnte sich Baier vorstellen. Denn all das seien arbeitssozialrechtliche Belange, für die die Wirte gar nichts können. „Wir sitzen alle im gleichen Boot, egal ob der Handel, die Gastronomie oder zum Beispiel Montage-Betriebe“, geht der Wirt von einer Impfpflicht in mehreren Bereichen mit Kundenkontakt aus.

In Breitenwaida wird im Gasthaus Baier die 3G-Regel streng kontrolliert, sonst wird niemand bedient. Probleme gebe es nicht. „Die Leute wissen ja, dass sie es brauchen, wenn sie wohin gehen möchten“, erklärt Baier. Veranstaltungen finden in seinem Gasthaus derzeit aber nicht statt, da sich die Auflagen regelmäßig ändern. Darum hat sich Baier entschieden, bei Veranstaltungen nur noch Catering anzubieten, Personal werde nicht zur Verfügung gestellt. Dieses Konzept sorge natürlich dafür, dass die Getränke-Umsätze geringer seien, weil im Privaten die Gäste selbst für ihre Getränke sorgen. Allerdings habe man sich darauf bereits im ersten Lockdown eingestellt. Unterm Strich sei die Anzahl der Veranstaltungen ungefähr gleichbleibend.

Ebenfalls habe Baier schon im ersten Lockdown Veränderungen beim Personal vorgenommen: Er nutzte das Kurzarbeitsmodell, so habe er verhindert, dass seine Angestellten arbeitslos sind. Da zu dieser Zeit das Essen auf Rädern und die Lieferung verstärkt wurden, schulte er die Service-Kräfte so um, dass sie mehr in der Küche helfen können. „Das kommt auch aufs Personal an. Das muss bei so einer Umschulung natürlich mitmachen“, erklärt der Gastronom. So hat er keine Aushilfen benötigt und konnte das Service-Personal weiterhin beschäftigen. Deswegen treffe ihn der Personalmangel nicht allzu sehr, weil lediglich eine Person im Betrieb fehle. „Wenn man drei Standbeine hat, kann man mehr anpassen, wenn das Restaurant zu hat“, spricht er das Essen auf Rädern und den Lieferservice an. Beide Standbeine federn die fehlenden Veranstaltungen gut ab.

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