Stadtrat Scharinger: „Man braucht doch Visionen“. Stadtrat Wolfgang Scharinger ärgert sich: Am ehemaligen „Nossek-Areal“ müssen sehr wohl unzählige Bäume gefällt werden.

Von Sandra Frank. Erstellt am 04. August 2021 (05:04)
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Auf zwei Grundstücken werden am Sonnleitenweg insgesamt 17 Reihenhäuser errichtet – Stadtrat Scharinger sieht dies als Gesamtprojekt und bleibt dabei: „Es müssen Bäume gefällt werden, damit Platz für die Häuser ist.“
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Wolfgang Scharinger verweilte gerade im Urlaub, als er auf NÖN.at den Bericht über die Präsentation der Reihenhäuser am Sonnleitenweg las. Prompt meldete er sich verärgert am NÖN-Telefon. Anfang Juli habe seine Bürgerliste eine Anfrage gestellt, um mehr über die Umwidmung des Areals in Erfahrung zu bringen. „Bis heute haben wir keine Antwort vom Baudirektor erhalten“, so der Stadtrat.

„Ich weiß schon, dass auf dem ehemaligen Gemeindegrundstück nicht so viele Bäume stehen. Aber ich betrachte das Projekt als eine Einheit“, schildert Scharinger. Dazu gehöre eben auch das darüberliegende ehemalige „Nossek-Areal“, auf dem „hunderte Bäume fallen müssen, sonst haben die Häuser ja keinen Platz“.

Silvia Nossek: „Ich habe nie ein Grundstück in Hollabrunn besessen“

Das ärgert Scharinger, der sich selbst in Naturangelegenheiten als „Parade-Grünen“ bezeichnet, besonders, denn: „Das ist noch schmerzhafter, wenn man weiß, welcher Partei die Verkäuferin angehört, da kann es nur noch ums Geld gehen.“ Diese ist nämlich Grünen-Bezirksvorsteherin in Wien.

„Dort müssen sogar Private bei der Gemeinde ansuchen, wenn sie einen Baum umschneiden wollen! Wie wäre das in Hollabrunn ausgegangen?“, fragt sich Scharinger, der „diese Doppelgleisigkeit“ scharf kritisiert.

Die NÖN fragte bei besagter Bezirksvorsteherin Silvia Nossek nach. Die war überrascht, als sie von den Vorwürfen hörte: „Ich habe nie ein Grundstück in Hollabrunn besessen“, spricht sie davon, dass das Areal ihrer Mutter gehörte, die dieses „irgendwann einmal“ verkauft habe.

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Wolfgang Scharinger vermisst Weitblick beim Projekt am Sonnleitenweg.
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Dass die Stadtgemeinde nun argumentiert, dass eine Umwidmung und Baulandschaffung am Sonnleitenweg bereits in den 1970er-Jahren angedacht war, lässt Scharinger den Kopf schütteln: „Das war vor 50 Jahren! Da waren die Voraussetzungenen doch ganz andere. Da ist zwei Mal am Tag die Lok gefahren, als die Häuser in der Gschmeidlerstraße gebaut wurden.“ Damals habe man sich um Lärmschutz nicht gekümmert, das sei jetzt anders. Und: „Alle reden vom zweiten Gleis. Wo baust das dann hin? Man braucht doch Visionen“, ortet der Stadtrat fehlenden Blick in die Zukunft.

Was den Stadtrat in seinem Urlaub noch aufregt, ist die Wortwahl von ÖVP-Bürgermeister Fred Babinsky und ÖVP-Stadtrat Günter Schnötzinger. „Wir haben ein besseres Miteinander beschlossen. Aber wenn man mir sagt, dass ich schäbig bin und unterstellt, ich würde lügen, dann haben der Bürgermeister und sein Stadtrat wohl nicht kapiert, wie die Vereinbarung gemeint ist“, wettert Scharinger.

Er sei eben gegen Zuzug innerhalb der Stadt und spricht sich für Schaffung von Bauplätzen („für Einheimische“) in den Ortschaften aus. Darum könne er auch Kritik an diesem Projekt äußern. „Zum Glück habe ich schon eine harte Haut und halte es aus, wenn die Maschinerie der ÖVP auf mich losgeht.“