Römern sei Dank: Traismauer ist Weltkulturerbe. Traismauer freut sich über Prädikat, Stadtchef hofft auf Touristen.

Von Alex Erber und Günther Schwab. Erstellt am 04. August 2021 (04:37)
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Während der Soldat vor dem Römertor unbeeindruckt bleibt, strahlt Bürgermeister Herbert Pfeffer: „Wir sind UNESCO-Weltkulturerbe!“
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Ja, es stimmt tatsächlich: Traismauer steht seit der Vorwoche auf einer Stufe mit der Chinesischen Mauer oder Hallstatt. Der Donaulimes und mit ihr die Römerstadt sind mit dem wertvollen Prädikat „UNESCO-Weltkulturerbe“ geadelt worden.

Dabei stand die 44. Sitzung der zuständigen Kommission in Fuzhou (China) zunächst unter keinem guten Stern. Ungarn scherte buchstäblich in letzter Sekunde aus dem gemeinsamen Antrag Österreichs, Deutschlands und der Slowakei aus. Die jahrelangen Vorbereitungsarbeiten schienen zumindest blockiert.

Doch die Kommission nahm schließlich den Antrag an, der Donaulimes ist Weltkulturerbe. „Das Warten hat sich gelohnt“, jubelt Bürgermeister Herbert Pfeffer. Er erwarte sich nun vor allem in Sachen Tourismus eine „deutliche Aufwertung der Region“.

Die Stadt Traismauer ist aufgrund ihrer römischen Geschichte, die heute noch deutlich sichtbar ist, Teil des Donaulimes. Dieser war über mehrere Jahrhunderte die Grenze des Römischen Reiches. In mehreren Ausbauphasen errichteten römische Soldaten Legionslager, Kastelle und Wachtürme. Der österreichische Limesabschnitt über 357,5 Stromkilometer befindet sich OÖ, NÖ und Wien.

In ihm enthalten sind 40 sichtbare Denkmäler und 15 Museen.

Kastell-Umrisse sind bis heute sichtbar

Die bis heute erhaltenen Denkmäler in Traismauer, das Wienertor (Römertor) und der Hungerturm, geben bis heute tiefen Einblick in die Vergangenheit. Die römischen Soldaten trafen im 1. Jahrhundert auf einen ungeregelten Strom mit breitem, undurchschaubaren Auwaldgürtel. Bei Traismauer und Tulln war sogar eine Überquerung des Stromes möglich. Im ganzen Tullnerfeld war ein Kastell nach dem anderen angesiedelt.

In Traismauer, damals Augustianis, war eine Reiterei angesiedelt. Die Umrisse der Kastellfläche sind heute noch durch die Befestigungsmauern sichtbar.

Soldaten legten damals auch ein Straßennetz an, ausgehend von St. Pölten. Die Reisenden orientierten sich an den Entfernungsangaben der Meilensteine, wie beispielsweise an der Straßengabelung in Gemeinlebarn.

Der UNESCO schwebt übrigens eine vollständige Eintragung des gesamten Limes an. Die Grenzen des Römischen Reiches waren rund 6.000 Kilometer lang, sie verlaufen von Großbritannien über Mittel- und Ost-Europa und den Nahen Osten bis nach Nordafrika.