Den Urwald von der Luft aus erleben. Mit virtueller Realität und Zusammenspiel von digitalem und analogem Leben können Besucher den Urwald quasi selbst betreten.

Erstellt am 11. Mai 2021 (13:09)

Vom Habichtkauzflug über einen Tag zu Fuß im Urwald bis hin zum Einblick in das Innenleben eines Stück Totholzes – für ein interaktives und animiertes Erlebnis sorgen mehrere virtuelle Installationen im Haus der Wildnis. Damit soll nicht nur für Unterhaltung garantiert werden, sondern Wissen zum Thema Urwald und dessen Bewohner vermittelt werden.

Da das Wildnisgebiet unbedingt „wild“ bleiben soll, sind eigenständigen Entdeckungstouren durch dieses Grenzen gesetzt. Die Besucher im Haus der Wildnis sollen aber trotzdem erfahren, wie sich ein Rundgang durch das Wildnisgebiet anfühlt. Und dafür gibt es fünf Installationen, die die Besucher sofort in den Urwald hineinversetzen und ihnen viel Wissenswertes mit auf den Weg geben.
Möglich wird das mit Virtual Reality und Augmented Reality. Virtuelle Realität (Virtual Reality, VR) ist eine computergenerierte Wirklichkeit mit Bild (3D) und in vielen Fällen auch Ton. Sie wird über Großbildleinwände, in speziellen Räumen oder über ein Head-Mounted-Display (Video- bzw. VR-Brille) übertragen.

Haus der Wildnis
Die Virtual Reality-Brille (VR) ermöglicht realistische Einblicke in die Welt des Wildnisgebietes.
Theo Kust

Unter der „Erweiterten Realität“ (AR) - im Englischen „Augmented Reality“ - versteht man hingegen das Zusammenspiel von digitalem und analogem Leben. Das funktioniert manchmal über die Kamera des Smartphones, aber zumeist ebenfalls über eine Brille.
Axel Dietrich und seine Partnerin Gabriella Chihan Stanley von der Firma „Vrisch“ haben im Haus der Wildnis mit beiden Technologien gearbeitet. Ihre Mission? Die Leute mit diesen Technologien zu unterhalten und ihnen Wissen zu vermitteln. Im Fall Wildnisgebiet soll also das Thema Urwald mittels Technologie vermittelt werden.

  • Landschaftsmodell. Wenn man den Ausstellungsbereich betritt, wartet gleich ein Landschaftsmodell des Wildnisgebietes auf die Besucher. Hier wird das Gebiet in einen geografischen und zeitlichen Kontext gesetzt. Am 3D-Modell kann man einen Eindruck des gesamten Wildnisgebietes und der Region rund herum bekommen. Mithilfe von interaktiven Tablets und Augmented-Reality-Technik kann man auch in die Vergangenheit reisen. Von der letzten Eiszeit vor etwa 18.000 Jahren bis heute kann man sich die Veränderungen in diesem einzigartigen Lebensraum anschauen.  Am Anfang, als das Gebiet noch von Gletschern bedeckt war. Später ziehen sich diese langsam zurück – es kommen die ersten Pilze, Flechten und Moose. Die bereiten den Boden für Pionier-Strauch- und Baumarten auf. Es entsteht Wald. Der verschwindet durch menschlichen Einfluss aber fast gänzlich. Und kommt durch eine Umbesinnung wieder zurück, dennoch sind die Menschen noch da. Die 400 Hektar Urwald im Wildnisgebiet konnten sich seit der Eiszeit aber ungestört entwickeln. Darüber hinaus sieht man auch, wie sich die Tierarten angesiedelt haben – und da sieht man auch stark den Menscheneinfluss. Diese Installation nennt sich „Time Tracer“. Dieser gibt ein gutes Bild davon, in welchem Tempo die Natur arbeitet. Was passiert, wenn der Mensch auf einmal da ist.
  • LED-Wand mit Urwald. Die erste Installation, die den Besuchern beim Betreten der Ausstellung ins Auge sticht, ist eine große LED-Wand, die den Urwald und seine Bewohner zeigt. Und die bewegen sich sogar. Mit einer Videokamera werden auch die Besucher mit ins Bild gebracht. „Die Tiere haben wir so animiert, dass sie auf das Verhalten der Besucher reagieren. Da erfährt man gleich, welchen Einfluss das eigene Verhalten auf die Natur hat“, erklärt Axel Dietrich. Wenn sich die Leute eher wild verhalten, reagieren die Tiere erschrocken und entfernen sich. „Damit soll ein Bewusstsein dafür entstehen, dass man sich in der Natur ruhig und respektvoll verhalten sollte. Das ist die erste Lektion für die Besucher“, betont Gabriella Chihan Stanley.
  • Habichtskauzflug. Der Habichtskauz war eine Vogelart, die früher viel in dieser Gegend unterwegs war und jetzt auch wieder angesiedelt wird. Übrigens: Der Habichtskauz ist auch am Logo des Hauses der Wildnis abgebildet. Um den Urwald einmal aus der Perspektive des Waldbewohners zu sehen, stehen den Besuchern Virtual Reality-Brillen zur Verfügung. Mit dem Aufsetzen der Brille schlüpfen sie in die Rolle des Habichtskauzes und fliegen mit einem 360 Grad-Blick über das Wildnisgebiet. Von der Morgendämmerung bis zum Abend wurde der Zwei-Minuten-Film gedreht. Zuerst den Dürren-stein hinauf, dann ein Blick über die Baumspitzen und dann taucht der Habichtskauz noch ins Tal ein. Ein spannendes Erlebnis für Jung und Alt.
  • Ein Tag im Urwald. Am Boden und trotzdem in einer anderen Welt sind die Besucher bei der nächsten Station. Dort setzen sie sich in einer der Kojen erneut die VR-Brille auf und landen mitten im Urwald. „Von der Nacht weg, den ganzen Tag hinweg bis zur Abenddämmerung besucht man dabei wirklich schöne Stationen im Urwald. Dabei kann man diese einzigartige Natur auf entspannte Weise auf sich wirken lassen“, erklärt Axel Dietrich. Damit aber nicht genug. Das Erlebnis wird mit mehreren Sinnes-Stimulationen noch einmal verstärkt. Mit Infrarotstrahlern wird der Sonnenaufgang tatsächlich spürbar, Ventilatoren bringen den Wind in die Kojen und für den originalen Urwaldgeruch ist ebenfalls gesorgt.
  • Totholz im Terrarium. Wie viel Leben steckt in einem toten Stück Holz? Von außen kann man das natürlich nicht wahrnehmen. Deshalb steht bei dieser Station das Innenleben des Totholzes im Vordergrund. Direkt bei der Station ist ein Tablet fix installiert. Wenn man dem Baumstamm näher kommt, zeigt das Tablet eine Röntgenansicht des Baumes und gewährt einen Einblick ins Innenleben anhand von drei verschiedenen realen Ansichten.