Das Haus der Wildnis als "Herzensprojekt". LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, seit 2009 im Land für das Wildnisgebiet zuständig, durfte schon etliche „Meilensteine“ miterleben und ist jedes Mal aufs Neue demütig.

Erstellt am 11. Mai 2021 (11:47)
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LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf im Wildnisgebiet.
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NÖN: Sie sind auf einem Bauernhof aufgewachsen, Absolvent des Josephinums, Jäger und ein naturverbundener Mensch. Was bedeutet die Natur heute für Sie?

Stephan Pernkopf: Ich hatte das Glück, mitten in der Natur die Kreisläufe des Lebens kennenzulernen. Die Natur gibt mir daher in jeder Lebenslage viel Kraft. Die Natur erwacht jetzt im Frühling, daraus kann man gerade in der jetzigen Situation Mut schöpfen. Auch wir erwachen wieder. Aber die Natur braucht auch Ruhe. Das dürfen wir ebenfalls nicht vergessen.

Lässt es Ihr Alltag zu, die Natur zu genießen?

Pernkopf: Zeitweise. Dann tauche ich ein in eine andere Welt, komme zur Ruhe, genieße und schöpfe Kraft. Erst vor Kurzem habe ich ein wichtiges Telefonat im Wald geführt. Mein Gesprächspartner hat bemerkt, dass im Hintergrund Vögel gezwitschert haben und schon war das Gesprächsklima ein ganz anderes. Die Natur sorgt für ein Wohlfühlgefühl.

Welche Bedeutung der Natur versuchen Sie Ihren Kindern weiterzugeben?

Pernkopf: Unsere Kinder kennen schon viele Blumen und Tiere, beobachten die Ameisen und haben schon ein eigenes Gemüsebeet. Natur ist Wissensvermittlung und Verantwortung. Das versuchen wir unseren Kindern zu vermitteln.

Seit wann ist das Wildnisgebiet Dürrenstein für Sie ein Begriff?

Pernkopf: Ich habe die Region schon in der Schulzeit durch den Vater eines Schulkollegen, Hans-Peter Lang, kennengelernt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich 2009 in der Landesregierung die Zuständigkeit und Verantwortung für dieses Juwel Wildnisgebiet übertragen bekam.

Was waren für Sie als verantwortlicher Politiker die größten Meilensteine?

Pernkopf: Jeder Quadratmeter Natur im Wildnisgebiet ist ein Meilenstein. Aber natürlich waren die ersten Erweiterungsverträge, die Auszeichnung zum UNESCO-Weltnaturerbe, der Entschluss zum Bau des Haus der Wildnis und zuletzt das Commitment zur Vergrößerung des Wildnisgebietes Richtung Steiermark wirkliche, besondere Highlights für mich.

Das Haus der Wildnis ist ein Herzensprojekt von Ihnen. Welche Aufgaben soll es erfüllen?

Pernkopf: Es soll die Bedeutung und Rolle der Natur vermitteln, näher bringen und das Bewusstsein dafür schärfen – vor allem bei Kindern und Jugendlichen, aber natürlich auch bei allen anderen Besuchern. Ich hätte nie gedacht, dass auf einer relativ kleinen Fläche durch eine multimediale Ausstellung Inhalte so rüberzubringen sind. Ich kann wirklich alle nur einladen, sich selbst ein Bild zu machen.

Wird es auch eine Rolle für den Tourismus in der Region spielen?

Pernkopf: Davon bin ich felsenfest überzeugt. Das Haus der Wildnis ist in die Tat umgesetzte Regionalentwicklung und löst rund herum viele Privatinvestitionen und eine unglaubliche Begeisterung im Ort und der Region aus. Das wird sich langfristig bemerkbar machen.

Sie selbst waren schon viele Male im Wildnisgebiet unterwegs. Auch mit vielen namhaften Persönlichkeiten. Wie waren deren Reaktionen und was empfinden Sie, wenn Sie das Wildnisgebiet besuchen?

Pernkopf: Demut. Große Demut, jedes Mal aufs Neue. Und innere Dankbarkeit. Das spüre ich auch bei den Menschen, die ich ins Wildnisgebiet mitnehme. Ein Ausflug ins Wildnisgebiet entschleunigt auf allen Linien. Nach so einem Tag strahlen alle. Noch dazu, wenn man von Rangern wie Reinhard Pekny – dem personifizierten Urwald – die Zusammenhänge über die Jahrhunderte hinaus erklärt bekommt. Da weiß man erst, wie klein der Mensch ist.