Gänserndorf im Bann der fünf Ringe. Mit durchwegs großem Interesse verfolgen Vertreter lokaler Sportvereine im Bezirk Gänserndorf die olympischen Wettkämpfe.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 04. August 2021 (05:45)
440_0008_8143242_mars31judo_mars.jpg
Werbung für eine tolle Sportart. Nach den Judoerfolgen der Österreicher in Tokio hofft auch der Union Judoclub Bad Pirawarth auf neue Mitglieder. Hier Johanna Grames bei einem Showkampf im Bad Pirawarther Knesl-Park.
Edith Mauritsch

Sie sind das größte Sportereignis der Welt, die Olympischen Spiele. Heuer finden sie um ein Jahr verspätet im japanischen Tokio statt und bescherten Österreich bisher einen unerwarteten Medaillenregen. Fünfmal Edelmetall (Anm.: Stand Dienstagfrüh) gab es bisher für die rot-weiß-roten Athleten. Wie unsere Top-Sportler die Spiele verfolgen, was sich unsere Vereine von dem gesteigerten Interesse erhoffen und was sie ärgert. Wir haben uns in einigen Sportarten umgehört:

Leichtathletik

Gerhard Mayer war der letzte Gänserndorfer Athlet, der in der „Königsdisziplin“ bei Olympischen Spielen an den Start ging, genauer gesagt 2012 in London im Diskuswurf. Heute betreibt der Franzensdorfer – gemeinsam mit dem Oberhausener Mario Mostböck – ein Personal Training Studio in seiner Heimatgemeinde und merkt, dass die Leute im Bann der fünf Ringe stehen: „Das ist sicher ein Grund, weshalb jetzt auch mehr bei uns los ist. Die Leute wollen nach Corona und motiviert von den Olympischen Spielen wieder Sport betreiben.“

Gerade in seiner ehemaligen Disziplin wurde Mayer nachtaktiv, stellte sich bei der Qualifikation den Wecker und freute sich auch im Finale mit Lukas Weißhaidinger über dessen Bronzemedaille. „Eine tolle Leistung, ich habe alle Daumen gedrückt. Aber natürlich auch so manchem Weggefährten von früher.“

Für den Marchfelder war diese Medaillenentscheidung auch sein olympischer Moment. „Und die Erkenntnis, dass du, um eine Medaille oder gar Gold zu gewinnen, verdammt viel Glück brauchst. Ohne Glück kannst du den Erfolg nämlich nicht erzwingen.“

Ingrid Grießel, Cheftrainerin des ULC Weinland, freute sich schon auf die Leichtathletik-Bewerbe, ganz besonders die Mehrkämpfe: „Nicht zu Unrecht ist der Zehnkämpfer der König der Leichtathleten.“ Die Gänserndorferin erwartet sich – trotz der Hitze in Tokio – generell gute Leistungen, nicht nur von der österreichischen Abordnung. Sie findet, dass das große rot-weiß-rote Team ein Beweis für den leichten Aufwärtstrend in der heimischen Leichtathletik ist. „Eine gute Sache, auch im Nachwuchs schicken wir immer größere Teams zu den Großereignissen.“

Dass mehr Kinder und Jugendliche zu ihrem Verein kommen, glaubt Grießel nur bedingt: „Erstens hängt das von österreichischen Erfolgen ab und zweitens vom Engagement der Eltern. Aber das gilt ja für alle Sportarten.“ Ein Vorbild hätte die ehemalige Lehrerin aber schon: „Nämlich die Schweiz, was die in den letzten zehn Jahren aus dem Boden gestampft hat, ist unglaublich.“

Judo

Die Erfolge von Michaela Polleres und Shamil Borchashvili sollten einen Boost bewirken, das glaubt zumindest Kämpferin Johanna Grames vom UJC Bad Pirawarth, dem größten und erfolgreichsten Verein des Bezirks. „Definitiv! Wir glauben auch, dass vor allem Judo bald keine Randsportart mehr ist.“ Ob es bei den Pirawarthern für mehr Mitglieder sorgen wird, lässt sich laut Grames erst mit dem Trainingsbeginn im September wirklich sagen. Zumindest im Nachwuchs muss sich der UJC keine Sorgen machen: „Das läuft gut. Ohne Extra-Werbung sind wir immer an der Kapa zitätsgrenze.“

Auf die Frage, ob sich Grames und Co. während der olympischen Judobewerbe fleißig vor dem TV aufgehalten haben, antwortet sie: „Nein, leider nicht. Schade, dass es auch keine guten Zusammenfassungen zum Nachsehen gibt. Das wäre sehr interessant gewesen.“

Basketball

Die gebürtige Gänserndorferin Kata Takács schaut mit Begeisterung Olympia, vor allem die neue Sportart 3x3 Basketball, wo sie auch schon für Österreichs Damennationalteam auflief. „Wenn ich sehe, wie die Letten nach ihrer Goldenen empfangen wurden, dann kann das schon einen Hype auslösen.“

Was ihr an Olympia so gefällt? „Es ist eine einfache Möglichkeit mit der intensiven Berichterstattung neue Sportarten kennenzulernen. Ich merke das bei mir, dass ich mir Sportarten ansehe, die ich sonst nie verfolgen würde.“

Turnsport

Marlies Männersdorfer aus Obersdorf, die ihre Karriere beim SV Gymnastics Gänserndorf begann, verpasste nur knapp die Qualifikation für die Kunstturnwettbewerbe, freut sich aber mit den österreichischen Erfolgen mit: „Ich denke schon, dass die Spiele einen Boost für Randsportarten bringen. Diese Sportarten bekommen in dessen Rahmen Fernsehzeit und dadurch mehr Aufmerksamkeit. Das wirkt“, meint die 22-Jährige. „Ich habe auch gemerkt, dass zum Beispiel das Turnen wieder mehr Aufmerksamkeit erregt.“

Außerdem ist es laut Männersdorfer sehr motivierend: „Das löst bei mir eine Sehnsucht aus, mir meinen Olympiatraum auch zu verwirklichen.“

Umfrage beendet

  • Verfolgt ihr die olympischen Spiele in Tokio?