Pflege: Die NEOS suchen Lösungen. Das Gesundheitssystem hat „viele Baustellen“. Wie diese behoben werden können, wurde in der Schmied-Villa besprochen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. Juni 2021 (05:24)
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Sie diskutierten in Gänserndorf über das Gesundheitssystem und darüber, was dringend geändert gehört (v.l.): René Kerschbaumer, Ulrich Busch, Edith Kollermann, Gerald Loacker, Monika Novak-Schuh und „Gastgeber“ Joseph Lentner. Dieser Diskussionsabend war teil des NEOS-Programmprozesses „NÖxt Generation“.
NEOS, NEOS

Unbesetzte Stellen von Kassenärzten, gerade im ländlichen Raum, das Fehlen von Pflegekräften und der kräfteraubende Alltag von Ärzten und medizinischem Personal – all das war vergangene Woche Thema in der Schmied-Villa, als die NEOS zum Programmprozess „NÖxt Generation“ einluden. Dabei werden bei Impulsvorträgen und Podiumsdiskussionen die brennendsten Zukunftsfragen diskutiert. Gänserndorf erhielt das Thema „Gesundheit und Pflege“.

„Ein Thema, das alle betrifft“, wie Landtagsabgeordnete Edith Kollermann feststellte, die die Veranstaltung moderierte. Joseph Lentner, NEOS-Gemeinderat, fungierte als Gastgeber. Der Physiotherapeut freute sich, dass aus vielen Bereichen der Gesundheits- und Pflegebranche Diskutanten am Podium saßen.

„Man muss die Grundstrukturen schnell reformieren und einen Imagewandel herbeiführen.“ Joseph Lentner, NEOS-Gemeinderat und Physiotherapeut

Dass es „viele Baustellen“ gibt, wie die Moderatorin es bezeichnete, zeigte sich schnell. „Die NEOS sind die Einzigen, die auf meine E-Mails reagiert haben und den Dialog gesucht haben“, sagt Ulrich Busch.

Der Allgemeinmediziner war lange Zeit Notarzt in Gänserndorf und sieht die Coronakrise als Brennglas für das Gesundheitssystem. Er liebe seinen Beruf, weil er Patienten ein Leben lang begleiten kann. Dennoch: Die Umstände, die sich dem Arzt in Dürnkrut und Prinzendorf bieten, seien katastrophal. 200 bis 300 Patientenkontakte habe er am Tag, Ressourcen gebe es keine mehr.

Vernetzung ein Wunsch allgemeiner Wunsch

Dabei wäre es wichtig, sich mit Kollegen aus der Gesundheitsbranche zu vernetzen. Diese Vernetzung ist ein Wunsch, der alle am Podium – von der Gesundheitspflegerin über den Physiotherapeuten und Notfallsanitäter – und im Publikum eint. „Die Kooperation kann gelingen“, weiß Lentner; allerdings brauche es dafür Aktivität und Motivation.

Parlamentarier Gerald Loacker saß für die NEOS am Podium. Er ist seit 2013 Nationalratsabgeordneter und beobachtet, dass vieles im Gesundheitssystem „gut gedacht“, dann aber nicht so gut ausgeführt wird. „Was funktioniert, ist, dass wir mit 1450 eine Gesundheitstelefonnummer haben.“ Leider nur in einer Sprache. Er verspüre oft „Widerstand gegen eine Weiterentwicklung“.

Mehr Supervision, mehr Wertschätzung

Monika Novak-Schuh ist Gesundheits- und Krankenpflegerin. In ihrem Beruf könne man viel Gutes tun. Doch viele schaffen nicht einmal die Ausbildung, weil dort der Druck schon zu hoch sei. Das ändere sich im Berufsleben später auch nicht. „40 Stunden in der Hauskrankenpflege, das schaffen wenige“, weiß Novak-Schuh.

Es brauche viel mehr Supervision, mehr Wertschätzung für das, was geleistet wird, mehr Kompetenzen für die Pfleger und: „Die Bezahlung muss besser werden.“ Dann könne man Menschen für den Pflegeberuf wieder begeistern – und somit Ärzte entlasten.

„Man muss die Grundstrukturenreformieren und einen Imagewandel herbeiführen“, ist Lentner überzeugt. Wie das aussieht? „Weg von der Reparaturmedizin und hin zur Eigenverantwortung, sodass ich mich in meinem Körper wohlfühlen möchte“, will der Physiotherapeut bereits bei der Vorsorge – etwa gesunde Ernährung und bewusste Bewegung – ansetzen.