Wohnwagon: Reduktion auf das Wesentliche. Die Firma Wohnwagon baut kleine, autarke Häuser auf vier Rädern und in Modulen. Doch das ist längst nicht alles. Auch was man für ein autarkes Leben braucht, mitsamt Beratung dazu, wird angeboten.

Von Gina Christof. Erstellt am 12. Juni 2021 (04:22)

„Es braucht lustvolle Lösungen, wie es anders gehen kann, wenn man etwas verändern will, man kommt nicht weiter, wenn man nur mit erhobenem Zeigefinger auf Missstände hinweist“, erklärt Theresa Mai, Geschäftsführerin der Firma Wohnwagon mit Sitz in Gutenstein. Weil sie eben nicht in den „Problemen der Welt stecken bleiben“, sondern aktiv Lösungen dafür finden wollte, wie nachhaltiges und zukunftsträchtiges Wohnen aussehen kann, hat sie 2013 mit nur 22 Jahren das Unternehmen gegründet.

„Autarkie bedeutet nicht, dass man allein auf grüner Wiese wohnt, es geht vielmehr um ein Miteinander.“ Theresa Mai, Geschäftsführerin von „Wohnwagon“

Die „aktiven Lösungen“ wurden in den acht Jahren seit der Gründung immer vielfältiger: Mittlerweile gibt es neben den autarken Wohnwagons auch einen eigenen Webshop für autarke Produkte, Workshops und Beratungen zum autarken Wohnen und – seit Februar ganz neu – Modulhäuser. „So können wir beispielsweise auch Familien, die etwas mehr Platz brauchen als unsere 15 bis 35 Quadratmeter großen Wohnwagons, autarke Formen des Wohnens bieten“, freut sich Mai. Die Mission des Unternehmens ist damit nicht nur der Verkauf von Wohneinheiten und anderen Produkten. „Wir wollen auch zum Nachdenken anregen“, erklärt Mai.

Weg vom Konsum, hin zur Eigenständigkeit

Die Firma „Wohnwagon“ folgt in ihrer Philosophie damit ganz klaren Grundprinzipien, die vor allem eines bewirken sollen: ein Weg von Konsum und ein Hin zu Eigenständigkeit. Das schlägt sich in vielen Punkten nieder. So werden beispielsweise ausschließlich Naturbaustoffe verwendet, die regional sind. „Unsere Wohnwagons und Modulhäuser bestehen aus Massivholz, als Dämmstoff wird Schafwolle verwendet und die Fassade besteht aus Lärchenholz“, so Mai. Daneben kommt auch Lehmputz zum Einsatz. Auch bei den Fahrgestellen für die Wohnmobile steht der Gedanke der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. So werden hauptsächlich gebrauchte Fahrgestelle verwendet, um Ressourcen zu schonen.

„Im Grunde genommen geht es uns also immer um eine Reduktion auf das Wesentliche und den Wunsch, neue Formen von Gemeinschaft zu finden“, erklärt Mai. Denn Autarkie und Selbstständigkeit bedeute nicht, „dass man allein auf grüner Wiese wohnt“. Vielmehr gehe es darum, zu einer Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu finden, die Freiheit im eigenen Leben bedeutet. „In einem weiteren Schritt bedeutet Autarkie dann auch immer Gemeinschaft“, so Mai. Denn durch die Besinnung auf das Wesentliche merke man einerseits, was im eigenen Leben wirklich wichtig ist. Andererseits müsse man aber durch den wenigen Platz, den man selbst zur Verfügung hat, andere Räume, wie eine Werkstatt zum Arbeiten, mit anderen teilen.

Aus genau diesem Grund legt das Unternehmen auch viel Wert auf die Weitergabe von Wissen: „Mit unseren Workshops und Webinaren wollen wir den Menschen dabei helfen, in ihre Selbstbestimmung und Eigenständigkeit zu kommen“, erklärt Mai. Vom Bienenwachstuch und der Jausenbox bis hin zu Wasserfiltern – der Webshop bietet dann die konkreten Produkte, die für ein nachhaltiges Leben gebraucht werden.

Das Prinzip der Autarkie und Gemeinschaft schlägt sich auch direkt in der Firma nieder. Besonders stolz ist Mai auf ihr Team und die gute Zusammenarbeit von allen Gewerken. Denn nur wenn diese gut vernetzt zusammenarbeiten, wird autarkes Bauen wirklich möglich.

Und darauf, dass aus einer kleinen Idee ein Unternehmen wurde, das vielen Menschen mittlerweile einen Arbeitsplatz bietet: „Ich bin noch immer jeden Tag demütig und dankbar, dass eine Mission, die so aus dem Herzen kommt und nie von dem Wunsch getrieben war, reich zu werden, heute auch unternehmerisch so viel Erfolg hat.“

Tolle Projekte für ein gutes Leben

In Zukunft will das Unternehmen auf jeden Fall weiter wachsen – aber nicht zu viel. „Unser Ziel ist es, ein solider Mittelstandsbetrieb zu werden, weiterhin tolle Projekte machen zu können, unsere Kunden zufriedenzustellen und durch unsere tägliche Arbeit einen positiven Beitrag zu leisten – aber ich will mein Team kennen, also Konzern werden wir keiner“, so Mai.

Was macht gutes Leben also nun aus? „Für mich gibt es da immer ein schönes Bild: Wurzel und Flügel. Ein gutes Leben ist damit immer mit dem Gefühl verbunden, die eigenen Potenziale leben zu können und verbunden zu sein“, erklärt Mai.

Genau deshalb plädiert sie für kleines und autarkes Wohnen: „Damit stellen wir uns auch immer die Frage, was wir eigentlich wollen und wie wir unsere Zukunft gestalten möchten – und bemerken vielleicht sogar, dass ein immer Mehr und Mehr auch nicht glücklicher und zufriedener macht.“