Pater Katru: Corona in Indien war "sehr dramatisch“. Nach seiner Rückkehr aus Indien berichtet der Göstlinger Pater Yohanu Katru über die Corona-Lage in seinem Heimatland.

Von Claudia Christ. Erstellt am 29. Juli 2021 (14:17)

NÖN: Mit zweimonatiger Verspätung sind Sie vor wenigen Tagen aus ihrem Heimaturlaub in Indien wieder zurückgekehrt. Die Corona-Lage hat ihre Rückreise immer wieder verzögert. Wie waren diese Wochen für Sie?

Pater Yohanu Katru: Dieses Hin und Her war für mich sehr nervig, da ich in meine Pfarre zurückkehren wollte. Die Pandemie brach in Indien heftig aus und so wurde der Rückflugtermin von der Fluglinie gecancelt. Es folgten vier weitere Rückflugtermine von der Fluglinie, welche aber nie stattfanden. Dies waren der 20. Mai, 3. Juni, 16. Juni und 8. Juli. Zusätzlich verhängte Österreich bis 20. Juni ein Landeverbot für Flugzeuge, welche aus Indien kamen.

Wie haben Sie die Lage in ihrem Heimatdorf Rangapuram wahrgenommen?

Pater Katru: Die Lage in Indien war generell sehr dramatisch. In meinem Dorf starben viele Menschen. Die Situation war deshalb so schwierig, weil es wenig medizinische Betreuung gibt und auch die wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht sind.

Werden die Menschen dort bereits geimpft? Woran mangelt es besonders?

Pater Katru: Besonders mangelt es an Sauerstoff, Medikamenten und den ausreichenden Spitals kapazitäten. Es wird schon geimpft, aber in den ländlichen Dörfern passiert das nicht für alle.

Wie haben Sie die lange Zeit des Wartens verbracht?

Pater Katru: In dieser Zeit war ich sehr beschäftigt, infizierten Menschen zu helfen, um ihnen medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Ich brachte sie ins Spital, wo man ihnen nur gegen Barzahlung half. Auch diese Hilfe war eingeschränkt, da es nicht genug Medikamente und Sauerstoff in den Spitälern gab. Viele Menschen in unserem Dorf wurden zuhause betreut und ich versuchte, sie bestmöglich zu unterstützen.

Wie geht es ihrer Familie in Indien, waren Familienmitglieder auch von Corona betroffen?

Pater Katru: Leider erkrankten auch meine Mutter sowie mein Bruder, Schwager, die Schwägerin, Schwester und die zwei Kinder von meinem Bruder. Mein Bruder leidet noch heute an den Folgen der Krankheit.

Wie froh sind Sie, nun wieder in Österreich zu sein?

Pater Katru: Ich bin glücklich, dass ich mit dem Waidhofner Pater Josef, er war zufällig zur gleichen Zeit in seiner Heimat, am 17. Juli endlich in Österreich landen konnte. Trotzdem muss ich immer wieder an die Menschen in meinem Dorf denken, wo noch viele an der Krankheit oder den Folgen leiden.

Nach der Rückkehr mussten Sie in Quarantäne, für wie lange und wer hat Sie zwischenzeitlich in Göstling vertreten?

Pater Katru: Ich wurde ersucht, zur Sicherheit die zehn Tage Quarantäne einzuhalten. In den ersten drei Monaten meiner Abwesenheit hat mein Vorgänger Josef Hahn die Vertretung übernommen. Ab Juli hat mein Cousin Pater Gabriel, derzeit Student in Innsbruck, dankenswerterweise übernommen. Darüber bin ich sehr froh und den beiden dankbar.

Worauf haben Sie sich am meisten gefreut?

Pater Katru: Dass ich meine Pfarrmitglieder hier in Göstling wieder sehen kann, das ist eine große Freude. Wahrscheinlich kann ich am Samstag, 31. Juli, die erste Messe halten. Darauf freue ich mich sehr.