Bezirk Scheibbs: Der Weg zurück ins Wirtshaus. Wie geht es der Gastronomie nach der langen Pause? Die NÖN fragte nach und zeichnet ein Stimmungsbild.

Von Karin Katona und Valerie Dallhammer. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:28)

Sie wurden als erste geschlossen und durften als letzte aufsperren – die Corona-Krise hat die Gastronomiebetriebe von allen am härtesten getroffen. Jetzt wacht die Branche wieder auf. Die NÖN hörte sich bei Wirten um, wie es ihnen im Moment geht.

Lockdown und Gastro-Schließung trafen, wie alle Gastronomen, auch den Ballonwirt Aigner in Bodensdorf mit voller Härte. Besonders auch, weil Events und Feiern wichtige Bestandteile des Geschäfts sind. „Wir hatten seit dem ersten Lockdown insgesamt ein Jahr geschlossen, nur im Sommer 2020 eine kurze Pause“, resümiert Wirt Herbert Aigner. „Es mussten bereits 25 Events und acht Hochzeiten abgesagt werden“, berichtet der Wirt.

Immerhin sei man in der Lage gewesen, das Personal auch während der Schließzeiten immer zu 100 Prozent zu bezahlen. „Dadurch haben wir auch keine Kräfte verloren und können mit unserem bewährten Kernteam weiterarbeiten.“ Die 3-G-Regel wird an der Rezeption genau geprüft, doch die Situation gleicht noch nicht annähernd dem Normalzustand.

„In unser Lokal kommen die Gäste nur durch eine eigens eingerichtete Teststraße.“ Hermann Wurzenberger, Wirt Ramsauhof, Purgstall

Der „Normalzustand“, sprich der Zustand vor Corona, ist auch auf dem Purgstaller Mostlandhof noch nicht ganz eingekehrt. Doch Wirtin Elisabeth Selner ist zufrieden: „Es gibt wieder Hochzeiten, Seminare, Hotelgäste kommen. Wanderer und Radfahrer machen bei uns Station“, schildert Selner. Die 3-G-Regel gewissenhaft zu überprüfen, sei das wichtigste Werkzeug, die gesundheitliche Sicherheit für Personal und Gäste zu gewährleisten.

Alles kann sich ändern, wenn Zahlen steigen

„Wir tun, was wir können, um einen sicheren Rahmen zu schaffen“, sagt Elisabeth Selner. Mit Personalknappheit kämpft der Mostlandhof, im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben, nicht: Eine neue Servicemitarbeiterin wurde eingestellt, sogar zwei neue Lehrlinge wird es ab August geben. Eine Ungewissheit bleibt: „Das, was sich abspielt, ist eine Momentaufnahme, die sich sofort ändern kann, sobald die Zahlen steigen. Damit müssen wir leben“, sagt Elisabeth Selner.

Nach der Krise neu orientiert hat sich der Purgstaller Ramsauhof. Hermann Wurzenberger und Eva Frank haben ihren hauptsächlich auf Events ausgerichteten Betrieb um die Sparte „Kinder und Familie“ erweitert. Im Zwergen Fun Park auf dem Ramsauhof gibt es ein spannendes, actionreiches und lustiges Programm für die Kleinen. „Das ist unheimlich gut angekommen“, freut sich Hermann Wurzenberger. „Die Kinder lieben es und die Erwachsenen auch.

"Testraße" zur Kontrolle der 3-G-Regel im Ramsauhof

Die Neu-Orientierung hat uns ein völlig neues Publikum gebracht.“ Zur Kontrolle der 3-G-Regel wurde eine „Teststraße“ eingerichtet. Diese ist der einzige Zugang zum Lokal und immer von einem Mitarbeiter besetzt, der Kontrolle und Registrierung der Gäste übernimmt. Auch vor Ort gibt es Tests. „Wir haben dafür nur positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Wurzenberger. „Die Gäste freuen sich, weil sie sich bei uns sicher fühlen. Und darüber hinaus profitieren wir von der Tatsache, dass unser Haus sehr weitläufig ist. Auch die Spielwiese für die Kinder ist riesig.“

Einen neuen Spielplatz für die kleinsten Gäste schufen auch Vera und Wolfgang Resch während der Corona-Zeit. Die Schließung der Gastronomie traf die Wirtsleute des Panoramastüberls am Hochkogel nicht so schwer wie manch andere: „Da es unsere begrenzten Kapazitäten ohnehin nicht ermöglichen, mussten wir keine großen Veranstaltungen absagen. Unsere Haupteinnahmequelle sind Urlauber, Rad- und Motorradfahrer und die kommen nach wie vor in großer Zahl.“

„Wir haben alle Kollegen in Kurzarbeit geschickt, zwei sind jedoch in Karenz gegangen.“ Vera Resch, Wirtin

Bezüglich der Kundenfrequenz ist die Wirtin positiv überrascht: „Wir haben mehr Gäste als erwartet und auch Geburtstagsfeiern bis zu 70 Personen werden fleißig gebucht.“ Lediglich das Personal stellte anfangs eine Herausforderung dar: „Wir haben alle Kollegen in Kurzarbeit geschickt, zwei sind jedoch in Karenz gegangen. Aber mit unseren Studentinnen und Schülerinnen schaffen wir es, diese Lücke bestmöglich auszufüllen.“

Auch im Hinblick auf zukünftige Verschärfungen zeigt sich die Panoramawirtin gelassen: „Viele unserer Gäste sind mittlerweile geimpft oder genesen und Tests werden ohne Aufforderung hergezeigt. Einen Lockdown, wie wir ihn kannten, wird es sicher nicht mehr geben.“

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