55 Wehren im Bezirk Amstetten im Kampf gegen Hochwasser. 55 Feuerwehren im Bezirk Amstetten stehen derzeit wegen des Starkregens im Einsatz. In Neuhofen und Ferschnitz wurde der Zivilschutzalarm ausgelöst.

Von Redaktion NÖN.at, Peter Führer und Hermann Knapp. Update am 18. Juli 2021 (20:50)

Nachdem am Samstag besonders die Einsatzkräfte im Westen des Bezirks und im Ybbstal gefordert waren, sind seit Sonntagfrüh 17 Wehren (Stand 11 Uhr) im ganzen Bezirk alarmiert worden. Am Sonntagnachmittag waren schon 55 Wehren im Einsatz. Die NÖN bietet – mit freundlicher Genehmigung der Firma Air-Shuttle, die diese Luftaufnahmen gemacht hat – unten einen Überblick über die Hochwassersituation am Sonntag im Bezirk. Die Aufnahmen zeigen die Orte Seitenstetten, Krenstetten, Aschbach, Neuhofen, Euratsfeld, St. Georgen am Ybbsfeld und Ferschnitz:

Vor allem Auspumparbeiten beschäftigten die Wehren anfangs, weiters Verklausungen von Bächen und Straßensperren, wie das Bezirksfeuerwehrkommando berichtet.

In Ardagger kontrollierte die Feuerwehr bereits, ob sich niemand mehr im Gefahrenbereich der Donau befindet. An der Donau wird derzeit der Hochwasserschutz aufgebaut. In der Bezirksalarmzentrale gehen laufend Anrufe ein.

Stark betroffen waren und sind die Gemeinden Euratsfeld und Ferschnitz. Es kam zu diversen Keller-Überflutungen und überfluteten Straßen und Straßensperren. In Ferschnitz und in Neuhofen wurde der Zivilschutzalarm ausgelöst.

Personen in bedrohten Gebieten werden aufgefordert, höhergelegene Stockwerke aufzusuchen und Kellerräume unbedingt zu meiden. Sofern gefahrlos möglich, sollen vorbeugende Schutzmaßnahmen getroffen werden.

In Neuhofen an der Ybbs ging der erste Alarm um 08:50 Uhr ein. Danach überschlugen sich die Hilferufe wegen überfluteter Keller und überschwemmten Feldern.

Um die Mittagszeit erreichte das Rückhaltebecken in Amesleiten das maximale Fassungsvermögen und trat über. Entlang des hochwasserführenden Elzbachs traten anschließend ebenfalls Überflutung auf.

In Ferschnitz wurde die Brücke bei Günzing/Truckenstetten durch das Hochwasser zerstört.

Auch in Amstetten sind die Feuerwehren im Hochwassereinsatz. Im Ortsteil Greinsfurth musste die Nord-Einfahrt ausgepumpt und wieder befahrbar gemacht werden. In Preinsbach steht die Preinsbacher Straße unter Wasser.

Auch in Aschbach-Markt wurde am Sonntagnachmittag Zivilschutzalarm ausgelöst. Aufgrund von mehr als 140 Litern Niederschlag pro Quadratmeter seit Mitternacht – allein von 11 bis 13 Uhr waren es rund 50 Liter pro Quaratmeter – und aufgrund des rasant ansteigenden Pegelstandes der Url war diese Maßnahme notwendig.

Zivilschutzalarm auch in Aschbach Markt 55 Wehren im Bezirk Amstetten im Kampf gegen Hochwasser
Auch in Aschbach-Markt wurde am Sonntagnachmittag Zivilschutzalarm ausgelöst.
privat

Die Bevölkerung ist aufgefordert zu Hause die Lage zu beobachten und Keller und Wohngebäude so gut wie möglich zu sichern. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt.

„Der Pegel der Url steigt zwar noch, aber wir haben einige Objekte im Unteren Markt geschützt und wenn der Regen abklingt, dann sollte es zu Keinen Überflutungen mehr kommen“, sagt Bürgermeister Martin Schlöglhofer. Einige Liegenschaften an der Umfahrungsstraße stehen allerdings schon unter Wasser.

Der Bürgermeister dankt den drei Feuerwehren für ihren professionellen Einsatz aber auch allen freiwilligen Helfern und den Gemeinderäten, die er mobilisiert hat, um beim Füllen der Sandsäcke zu helfen.

Ferschnitzer Ortschef: „Bei weitem schlimmer als 1989“

„Das war das ärgste Hochwasser, das ich je erlebt habe. Das letzte starke Hochwasser war 1989, aber dieses Mal war es bei weitem schlimmer“, zeigt sich Ferschnitz-Bürgermeister Michael Hülmbauer erschüttert.

Zahlreiche Keller standen unter Wasser, die Feuerwehren, auch viele Feuerwehrmitglieder aus anderen Gemeinden, waren im Dauereinsatz, wie auch zahlreiche private Hilfsinitiativen aus der Nachbarschaft.

Auch Straßen wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Bei der Hametmühle wurde ein Teilstück zerstört, wie auch die Brücke in Günzing. Gesperrt ist auch noch die Zufahrt nach Ferschnitz über die Hohe Brücke. Damit ist die Gemeinde nur über Euratsfeld erreichbar.

„Es hat in 12 Stunden 270 Liter geregnet. Das hat man normalerweise in drei bis vier Monaten. Wir hoffen das nichts mehr kommt“, berichtet Hülmbauer, der seinen Dank allen Helfern für ihren großen Einsatz aussprach.

„Die Zauch und der Gafring-Bach sind übers Ufer getreten. Die Feuerwehr hat bis zum Abend etwa 60 Einsätze gezählt. Das Hochwasser hat das Jahr 1989 übertroffen“, schildert Euratsfelds Bürgermeister Johann Weingartner die Lage vor Ort.

Zu Schäden sei es bei vielen landwirtschaftlichen Kulturen gekommen. Auch der Güterweg Aukenthal wurde zerstört, wie auch die neu asphaltierte Straße Richtung Hochkogel. In Euratsfeld standen ebenfalls viele Keller unter Wasser und mussten ausgepumpt werden. „Diesen Wassermassen und dem Unwetter ist man nicht gewachsen“, sagt Weingartner.

Man müsse auf diese Auswirkungen der Klimaerwärmung dringend reagieren. „Da sind wir alle gefragt, uns in den nächsten Jahren etwas zu überlegen. Das wird vielleicht auch unpopuläre Maßnahmen brauchen. Die Herausforderung wird sein, dass wir die Bevölkerungen mitnehmen. In Wahrheit sind einschneidende Maßnahmen notwendig“, so Weingartner. Die Klimaprobleme könne man allerdings nicht lokal oder in Österreich lösen. Es bedürfe einer internationalen Zusammenarbeit.