Bezirk Amstetten: Abgelaufen bedeutet nicht giftig. Rotes Kreuz, soogut-Märkte, Abfallverband und Kliniken im Schulterschluss gegen die Lebensmittelverschwendung.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:28)
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Selca Ates, stellvertretende Marktleiterin im soogut-Markt Amstetten, beim Einsortieren erhaltener Ware. Pro Tag treffen 600 bis 700 Kilo Lebensmittel ein, die vor dem Verkauf auf ihre Genussfähigkeit überprüft werden.
Kovacs, Kovacs

Zu viele Lebensmittel landen in Österreich im Müll. Deshalb hat die Regierung kürzlich einige Beschlüsse gefasst, um der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen. Neu ist das Thema allerdings nicht.

So widersetzt sich zum Beispiel die Initiative „Team Österreich Tafel“ – ein Projekt von Rotem Kreuz und Hitradio Ö3 – im Bezirk Amstetten seit nunmehr elf Jahren an zwei Standorten erfolgreich der Verschwendung von Lebensmitteln. „Unter dem Motto ‚Verwenden statt verschwenden‘ sammeln jeden Samstag ehrenamtliche Helfer in 23 Geschäften zwischen Ennsdorf und Seitenstetten nicht mehr verkäufliche Lebensmittel ein: Waren wie Brot, Milchprodukte, Gemüse und Obst werden dann an Menschen ausgegeben, die auf diese einwandfreien Lebensmittel angewiesen sind“, umreißt Teamleiter Josef Kaltenböck die Situation an der Bezirksstelle St. Peter.

„Die Leute sollten sich mehr auf die eingebauten Kontrollorgane verlassen: Augen, Nase und Mund.“ Anton Kasser, Präsident der NÖ Umweltverbände

Insgesamt beteiligen sich im Wechsel 66 Mitarbeiter an dieser Aktion, jährlich werden etwa 25 Tonnen Lebensmittel verteilt, pro Ausgabe also 450 bis 500 Kilogramm. Damit können im Schnitt 35 Kunden bzw. insgesamt 130 Personen versorgt werden. Zudem wird die Region Waidhofen und Amstetten unter Leitung von Christine Brandl seitens der Rot-Kreuz-Stelle Kematen versorgt.

„soogut-Märkte“ gegen Lebensmittelverschweng

Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahren auch die „soogut-Märkte“ im Bezirk. „Wir bekommen pro Tag 600 bis 700 kg Lebensmittel, müssen dann aber noch aussortieren. Rund ein Drittel davon muss entsorgt werden. Was wir aussortieren, findet aber schlussendlich auch noch Verwendung. Das Brot holen Bauern ab, der Rest wird in Biogasanlagen aufgearbeitet“, sagt Yurdagül Sahin, Marktleiterin in Amstetten.

Den Kunden sei klar, dass Lebensmittel nicht mit Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sofort ungenießbar werden. „Alle Produkte, die wir bekommen, werden selbstverständlich überprüft, und es gibt natürlich auch Richtlinien: Milch darf zum Beispiel maximal fünf Tage abgelaufen sein, Joghurt zehn. Trockenware ist noch länger haltbar“, sagt die Marktleiterin.

Den „NÖ Umweltverbänden“, deren Präsident der Allhartsberger Landtagsabgeordnete Anton Kasser (ÖVP) ist, ist die Lebensmittelverschwendung auch ein Dorn im Auge. „Die privaten Haushalte werfen im Jahr durchschnittlich Lebensmittel im Wert von 300 Euro weg. Wir arbeiten daran, diese Menge zu verringern“, sagt er.

Landeskliniken wollen nichts verschwenden

Kasser weist darauf hin, dass es vor allem beim Mindesthaltbarkeitsdatum oft zu Missverständnissen kommt: „Mindestens haltbar bis“ heiße nicht „giftig ab“. „Leider verlassen sich die Menschen heute zu wenig auf ihre eingebauten Kontrollorgane: Augen, Nase und Mund. Wenn ein Lebensmittel gut aussieht, gut riecht und gut schmeckt, gibt es keinen Grund, es nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums nicht zu essen“, bedauert Kasser.

Auch in den Landeskliniken der Region wird darauf geachtet, keine Lebensmittel zu verschwenden. 2.000 Portionen (auch für Schulen und Essen auf Rädern) werden im Klinikum Mauer täglich gekocht, wobei die Köche auf Regionalität und Bio-Qualität wertlegen.

Verwertung von Resten wird großgeschrieben

So wird den Mitarbeitern unter Einhaltung aller Hygienebestimmungen ein „Essen für zu Hause angeboten“. Fleisch, Nudeln und Gemüse werden am nächsten Tag beim Salatbuffet verwendet und es gibt auch „Rest‘l Schmankerle“ im Speisesaal.

Etwa 19 Prozent des Essens im Klinikum kann nicht verwertet werden, wobei man da im unteren Drittel von Gemeinschaftsverpflegungen rangiert. Diese Reste holt ein Mal wöchentlich die Firma Baier ab und verarbeitete sie zu Biogas.

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