Amstetten: Spatenstich für privates MRT-Institut. Ärzte Andreas Stadlbauer und Gregor Jülg werden ab 2022 Patienten, die sich das leisten wollen, Magnetresonanztomografie ohne Wartezeit anbieten.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 16. Juni 2021 (05:52)
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So wird das neue MRT-Institut nach seiner Fertigstellung aussehen.
SCHAUPP Bauplanungsgesellschaft, SCHAUPP Bauplanungsgesellschaft

Seit mehr als 15 Jahren ringt der Radiologe Andreas Stadlbauer um ein Magnetresonanztomografie-Gerät mit Kassenvertrag für sein Diagnosezentrum in Amstetten. Der Bedarf wäre aus seiner Sicht vorhanden, doch laut österreichischem Großgeräteplan ist ein MRT-Gerät für 70.000 bis 90.000 Einwohner ausreichend, sofern es im Straßenindividualverkehr innerhalb von 45 Minuten erreichbar ist. Das Gesundheitsministerium sieht diese Bedingungen in der Region erfüllt.

Vorteil von privatem MRT: Patienten haben keine Wartezeiten

Nun hat sich Stadlbauer entschlossen, selbst Nägel mit Köpfen zu machen und zusammen mit seinem Kollegen Gregor Jülg einen privaten Magnetresonanztomografen anzuschaffen. „Derzeit wartet man ja zum Beispiel auf ein Knie-MRT oft acht Wochen bis drei Monate. Der Vorteil unserer privaten MRT-Einrichtung wird sein, dass die Patienten unbürokratisch und ohne Wartezeiten untersucht werden können, was die Zeitspanne bis zum Beginn einer eventuell notwendigen Therapie natürlich stark verkürzt“, sagt Jülg, der bei dem Projekt federführend ist. Knapp eine Million Euro kostet ein MRT-Gerät.

Mit 15 bis 20 Patienten pro Tag – der Tarif für eine Untersuchung wird sich voraussichtlich auf etwa 220 Euro belaufen –, sollte die Anschaffung sich aber amortisieren. Zahlen müssen die Patienten selbst, sofern sie keine Zusatzversicherung haben. „Wir hoffen aber natürlich weiterhin, dass wir in naher Zukunft doch einen Kassenvertrag bekommen. Der Bedarf an MRT-Untersuchungen wächst in Österreich ja jährlich um fünf bis zu sieben Prozent“, berichtet Jülg.

Vorsorge wird in den Mittelpunkt rücken

Der Mediziner ist auch davon überzeugt, dass in den nächsten Jahren das Thema der Vorsorge noch mehr in den Mittelpunkt rücken wird. „Und wir können dann auf Patientenwunsch natürlich auch MRT der Brust, des Kopfes, der Prostata, der Gefäße etc. anbieten.“

Als Konkurrenz zu den Geräten im Landesklinikum sehen die beiden Ärzte ihren Magnetresonanztomografen nicht, sondern als Ergänzung. Der Entschluss zur Anschaffung des Geräts bringt für sie auch noch eine weitere große Investition, mit sich, weil im Diagnosezentrum dafür kein Platz ist. Daher errichten sie südlich davon ein neues MRT-Institut. In der Vorwoche fand bereits der Spatenstich statt. „Wir platzen im bestehenden Haus ohnehin aus allen Nähten, das hat uns die Entscheidung für dieses Projekt erleichtert“, sagt Jülg. Den Baugrund haben die Ärzte schon vor drei Jahren erworben.

Vorerst wird ein ebenerdiges Haus mit rund 550 Quadratmetern Nutzfläche (Raum für MRT und später auch CT, Wartebereich, Umkleideräume, Ärztezimmer, Besprechungsräume etc.) entstehen. Darauf können später noch ein oder zwei Stockwerke aufgesetzt werden, die eventuell auch Platz für Ärzte anderer Disziplinen bieten. Im Frühjahr soll das Haus fertig sein und der MRT in Betrieb gehen. Stadlbauer ist sehr froh, mit Jülg einen Partner gefunden zu haben, mit dem die Zukunft des Diagnosezentrums gesichert ist.

Generationswechsel im Diagnosezentrum

„Aufgrund meines Alters zeichnet sich ja ein Generationenwechsel ab und das ist auch gut so, weil es frischen Wind bringt.“ Im Diagnosezentrum, das er im Jahr 2000 errichtet hat, werden täglich zwischen 180 und 250 Patienten untersucht. „Mir war es immer ein Anliegen, die Wartezeiten kurz und die Qualität der angebotenen Leistung hoch zu halten“, sagt Stadlbauer.

Bürgermeister Christian Haberhauer beglückwünscht die beiden Mediziner zu ihrem Projekt. „Es freut mich, dass Ärzte auch Unternehmer werden, die die medizinische Versorgung in der Stadt noch verbessern und Arbeitsplätze schaffen.“ Derzeit sind im Institut 30 Mitarbeiter (davon sechs Ärzte) beschäftigt, mit dem neuen Haus wird ihre Zahl auf 40 steigen.

Haberhauer betonte auch, wie wichtig ihm Initiativen am Gesundheitssektor sind. „Amstetten ist ja die einzige Stadt in Niederösterreich mit zwei Krankenhäusern und die ärztliche Versorgung der Bevölkerung ist sehr gut. Das Land und auch wir als Stadtpolitik sind immer bemüht, neue Akzente zu setzen. Ich denke dabei zum Beispiel an den Ausbau der Pflegeausbildung im Landesklinikum Mauer, das geplante Primärvorsorgezentrum und an die Mittelschule Mauer, wo wir einen neuen Unterrichtsschwerpunkt ,Gesundheit und Pflege‘ einführen möchten“, sagt der Stadtchef.

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